Das Berliner Theaterleben setzte sich während der 1970er- und 1980er-Jahre prominent im Stadtraum fort: An Wänden und Litfaßsäulen erregten Theaterplakate die Aufmerksamkeit des Publikums. Sie spiegelten die Essenz der Bühnenstücke wider, machten neugierig und manifestierten Erinnerungen an das Gesehene. Einige der eindrucksvollsten Theaterplakate dieser Zeit wurden von Bernd Frank gestaltet.

Die Plakatsammlung der Akademie der Künste verwahrt fast sein gesamtes Œuvre. Aus seinem vielseitigen Werk präsentiert sie eine vom Künstler getroffene Auswahl.
Die Präsentation ist bis zum 13.3.22 zu sehen.

Die Wirkung seiner Plakate hält an. Heute noch staunen Besucher, über die Zeit, die 70erJahre des vorigen Jahrhunderts, aus denen sie stammen, als sie an den Litfaßsäulen erschienen sind. 
Kaum glaubt man, in ihnen der Plakatkultur der DDR zu begegnen – ganz speziell im Theaterbereich entstanden – die immer noch modern und aktuell in ihrer Wirkung zu überzeugen vermag. 
Die erste Anmutung ­ist unkonventionell, sie beruht auf gestalterischen Merkmalen, die angestrebter Perfektion entgegenstehen. Bernd Frank verzichtet auf durchgängig bunte Farbe, er nutzt statt dessen eine Skala von Schwarz/Weiß/Grau, ergänzt durch einzelne Signalfarben, die Aufmerksamkeit erregen. Mit Siebdruckleuchtfarbe, die damals nur in eingeschränkter Farbpalette zur Verfügung stand – anfangs gab es Rot, später Grün, aber noch kein Gelb als neue Day-Glow-Farbe – lässt er seine Plakate auf besondere Weise zur Geltung kommen. 
Der Einsatz des Farbmaterials mit dem starken farbigen Reiz beruht auf einer gestalterischen Entscheidung, ist nicht aus dem Mangel geboren. Sein Farbeinsatz wirkt vielmehr appellativ und provokant. 
Mit heiterer Werbewirkung, die zum Konsum verleitet, haben sie nichts zu tun. Im Gegensatz dazu werden Prägnanz und Eindringlichkeit zu Eigenschaften seiner Plakate, die die Präsenz des jeweiligen Theaters, der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz zumeist, aber auch anderer Spielstätten, wie des Deutschen Theaters, des Mecklenburgischen Staatstheaters, des berühmten Gripstheaters, des Theaters der Erfahrung, oder  des Theaters RambaZamba  im Stadtbild zur Geltung bringen konnten. Sie standen gleichzeitig als Verweise für die Auffassungen des jeweiligen Theaters und, da die Plakate noch als Stückplakate konzipiert waren, konnten sie auch den Gehalt des einzelnen Theaterstückes für Betrachter erlebbar machen.
Plakate, die einerseits den Regiegedanken kommunizieren, ihn reflektieren und sichtbar machten wie in den 70,80er Jahren, als sie an den –­ damals noch bezahlbaren – Lithfaßsäulen die Existenz des Hauses gleichzeitig mit dem Gehalt des Stückes anschaulich machten, gibt es heute kaum. An ihre Stelle ist die Imagewerbung getreten – oft in überzeugender Qualität gezeigt aber mit dem Verzicht auf das konkrete Stück erkauft.Heute sind die Plakate B. Franks in Ausstellungen zu Zeitzeugen geworden, die als Kulturkonserven ihren besonderen Charakter zur Geltung bringen. Als „Rohkost” bezeichneten sie unsere holländischen Freunde damals. Als Dokumente der Spielplangestaltung künden sie von spektakulären Aufführungen der frühen Jahre, mit denen die Volksbühne internationale Anerkennung erlangte und Maßstäbe setzte, die mit Frank Castorf erneuert und fortgesetzt wurden. Noch heute geben die Plakate einen Überblick über Regiepositionen, bewegende Theaterereignisse und legendäre schauspielerische Leistungen, und nicht zuletzt zeigen sie das individuelle Gestaltungskonzept des Grafkers Bernd Frank, das in der von ihm selbst getroffenen Auswahl Variationsbreite und Vielfalt erkennen lässt und dabei eine besondere Auffassung vom Farbeinsatz im Medium Plakat zur Anschauung bringt.  

Text: Marieluise Schaum

  • Akademie der Künste Berlin – Webseite

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