Autorin: Dr. AnneMarie Neser

Thema

Anhand der Übung werden Kenntnisse über historische und zeitgenössische Farbigkeiten und Farbkonzepte im Stadtraum erarbeitet. Der städtische Raum ist immer auch ein Farbenraum. Bestimmte Zeitabschnitte sind durch eine spezifische Farbigkeit charakterisiert und lassen sich als „Farbepochen“ der Architektur beschreiben. Innerhalb dieser „Farbepochen“ werden individuelle gestalterische Sichtweisen entschlüsselt und ihr Wert innerhalb des Entstehungszeitraums erfasst. Der Fokus liegt auf einer konzentrierten Wahrnehmung der Stadt, ihrer Gebäude, Farben und Oberflächen. Das Auge wird für die Wechselbeziehung von Architektur und Farbe/Material geschärft.

Inhalte

  • Aspekte und Potentiale der Farbgestaltung im städtischen Raum
  • Unterschiedliche Strategien im Umgang mit Farbe und Material
  • Das Thema Farbe als Teil der Architekturgeschichte

Lernziele

  • Sensibilisierung für Farbe und Oberfläche
  • Wirkung von Farbe im städtischen Raum
  • Kenntnisse über epochenspezifische Farbgebung
  • Potential von Farbgestaltung reflektieren

Methode

Stadtspaziergang, Baubetrachtungen vor Ort, Fotografie, Farbabnahmen am Bau mit Hilfe eines Farbfächers, Recherche (baugeschichtlich, farbhistorisch), Literaturstudium, evtl. auch Interviews.

Voraussetzung

Grundkenntnisse der Architekturgeschichte sowie grundlegende Kenntnisse zum Thema Farbe

Materialien/Medien

Stadtgrundriss, feste Unterlage, Kamera, Zeichenstifte, Farbstifte, Farbfächer, Computer

Kursdauer

7 Seminartage: Wechsel zwischen theoretischem Input, freier Projektarbeit und Besprechungen im Plenum

Amerikahaus in Berlin
Amerikahaus in Berlin

Vorgehen

Auf Stadtspaziergängen wird die Wahrnehmung neben der Architektur explizit auf die Farbigkeit gelenkt und es werden die Farben einer Strasse oder eines Stadtviertels erkundet. Dieser Wahrnehmungsprozess wird fotografisch und schriftlich dokumentiert. Dies geschieht in kleinen Gruppen, um im Nachgang die individuellen Unterschiede in der Farbwahrnehmung auszutauschen. Im Anschluss werden einzelne Bauwerke ausgewählt, deren Fassadenfarben, Farbatmosphären mit Zeichenmaterialien differenzierter erkundet werden, auch der strategische Einsatz der Farbe/des Materials wird entschlüsselt. Folgend werden die Farben mit Hilfe von Farbfächern vor Ort bestimmt sowie die Materialität untersucht. Danach werden die Farben entweder händisch nachgemischt oder mit Hilfe von Farbkarten oder auch am Computer zusammengestellt. Das Nachmischen der Farben hat den Vorteil den feinen Nuancierungen der einzelnen Farben nachzuspüren. Auf einem Stadtplan können die einzelnen Bauten abstrahiert mit ihrer Fassadenfarbe in der Reihenfolge ihres Vorkommens nebeneinander gesetzt, wodurch in der Zusammenschau ein Farbenplan der erforschten Strasse oder des Stadtbezirkes entsteht.

Gedächtniskirche in Berlin
Gedächtniskirche in Berlin

Die Stadtspaziergänge dienen der Erkundung der Stadt mit allen Sinnen. Gehen Sie einen bestimmten Weg mehrmals und den gleichen Weg auch wieder zurück; nehmen Sie wahr, wo Sie stehen bleiben und warum, etc. Dokumentieren Sie das Auskundschaften schriftlich und fotografisch; verfahren Sie ebenso mit dem Erfassen der Atmosphären (Arbeitsschritt 1).

Im nächsten Schritt stehen die Farben der Bauwerke im Fokus. Die Farbigkeit wie die Farbstimmungen einzelner Bauwerke wird mit Zeichenmaterial erfasst und anschließend die Haupt- und Akzentfarben mit Hilfe eines Farbfächers detailliert aufgenommen. (Arbeitsschritt 2).

selbsthergestellte Farbkarten
Farbkarten im Unterricht

Im Anschluss wird die Baugeschichte der einzelnen Gebäude anhand von Literatur- oder Archivrecherchen entschlüsselt (Arbeitsschritt 3).

Dann werden die vor Ort abgenommenen Farben händisch nachgemischt oder am Computer nachgestellt und katalogisiert (Arbeitsschritt 4).

Nachmischen von Farben
Nachmischen von Farben

Der vorgefundene Farbenfundus kann nun unter verschiedenen Gesichtspunkten bspw. einem denkmalpflegerischen oder einem farbgestalterischen, analysiert und bearbeitet werden (Arbeitsschritt 5).


Bedenkenswert

  • Eigenschaften von Oberfläche/Material mit allen Sinnen erkunden
  • Fassade zu unterschiedlichen Tageszeiten beobachten und dokumentieren
  • Lichtsituation und Jahreszeit notieren, in der die Farben abgenommen wurden
  • Sorgfältige Dokumentation der Materialoberflächen mit Hilfe eines Fotoapparates
  • Mit Ausschnitten und Vergrößerungen experimentieren
  • Die Oberfläche als Gestaltunganregung nutzen

Wahrnehmen

  • Gestaltete Umwelt mit allen Sinnen wahrnehmen
  • Sensibilisierung für Material, Farbe und Oberfläche
  • Architektur unter dem Gesichtspunkt der Farbigkeit analysieren und interpretieren
  • Farbe und Material als wichtigen Ausdruckswert von Architektur kennenlernen
  • Zeitgebundenen Einsatz von Farbe kennenlernen und verstehen
  • Technische und gestalterische Eigenschaften von Farbmaterialien erkunden
  • Visuell räumliches Gedächtnis

Darstellen

Beschreibung – Erfassen der Fakten und der Erscheinung
Fotografie – Erfassen, reduzieren, experimentieren
Farbabnahme – Farbwahrnehmung reflektieren
Farben mischen – Farbenlehre

Zielgruppe

  • Gymnasiale Oberstufe (Grundkenntnisse der Architekturgeschichte und Stilkunde)
  • Studierende gestalterischer Fachrichtungen
  • Auszubildende in handwerklich gestalterischen Fächern (Grundkenntnisse der Architekturgeschichte und Stilkunde)

Literatur

  • Rehsteiner, Jörg, Sibillano, Lino, Wettstein, Stefanie (Hrsg.): Farbraum Stadt: Box ZRH. Zürich 2010. zum Buch
  • Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau (Hrsg.), Farbkultur in Thurgau – pflegen und gestalten. Farbe und Siedlung im ländlichen Umfeld. Schwabe Verlag Basel 2013. zum Buch
  • McLachlan, Fiona, Architectural Colour in the Professional Palette, London 2012. zum Buch
  • McLachlan, Fiona, Neser, AnneMarie, Sibillano Lino, Wenger, Marcella-Di Gabriele, Wettstein, Stefanie, Farbstrategien in der Architektur, Basel 2015. zum Buch

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