Eckhard Bendin

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bildeten sich Weimar und Jena zu Zentrengeistiger Netzwerke und Ausgangspunkten eines aufbruchartigen Paradigmenwechsels in Kultur und Wissenschaft heraus.

100 Jahre später erweiterte sich jene Dynamik mit neuen Zielen.

Die Industrialisierung stellte neue Anforderungen. Neben neuen Herausforderungen an Wissenschaft und Technik waren eine Antwort darauf naturphilosophische und expressionistische Strömungen, u.a. die Gründung der ‚Brücke’ in Dresden, des Deutschen Werkbundes sowie des Bauhauses in Weimar. Auch Leipzig, Halle/S., Magdeburg und Chemnitz hatten sich insbesondere durch ihren wirtschaftlichen Hintergrund zu Wissenschaftszentren entwickelt.

Mit ihnen verbunden war das Wirken viele Persönlichkeiten mit klangvollem Namen auch hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Farbenlehre. Facettenartig sollen einige hier vorgestellt werden.

Deren Leben und Werk eröffneten nachhaltige Bezugspunkte für die fachübergreifende Idee einer Sammlung FARBENLEHRE, wie sie an der Technischen Universität Dresden seit 2005 im Aufbau ist . . .

Im Goetheschen Wirkungskreis…

Im engeren Wirkungskreis Goethes standen u.a. der Maler und Kunsttheoretiker der anbrechenden Romantik Philipp Otto Runge, der Philosoph Arthur Schopenhauer, die Physiker Johann Wilhelm Ritter und Thomas Johann Seebeck sowie der Physiologe Jan Evangelista Purkinje. 

Johann Wolfgang v. Goethe 1749-1832

GOETHE selbst betrachtete im Alter seine umfangreichen Beiträge zur Farbenlehre als seine bedeutendste Lebensleistung. Noch vor Anbruch des 19. Jahrhunderts legte er in Weimar den Grundstein für eine phänomenologisch orientierte Auffassung der Einheit und Mannigfaltigkeit von Licht und Farbe, mit der er sich kritisch gegen eingeengte Natur- und Wissenschaftsauffassungen wandte. Die durch seine ‚Beiträge zur Optik’ (1791/1792) und sein dreiteiliges Hauptwerk ‚Zur Farbenlehre (1808/1810) gesetzten Impulse wirken bis heute unvermindert nach.

“ Wär’ nicht das Auge sonnenhaft,
wie könnten wir das Licht erblicken…? ”
Goethes ‚Augenvignette‘1810

Die Beobachtung der Randfarben (Kantenspektren) an Schwarz-Weiß-Vorlagen veranlasste Goethe, an Newtons Interpretation des Dispersionsspektums zu zweifeln und forderte ihn zu umfangreichen phänomenologischen Untersuchungen heraus.

‚Zur Farbenlehre‘ 1810

Goethe sah im Gegensatz zu Newton Farbe vor allem unter phänomenologischem Aspekt. Seinen Theorien der ‚trüben Medien‘ und der ‚Steigerung‘ liegen das ‚Urphänomen‘ (Gelb-bzw. Blaufärbung) sowie das Prinzip der Polarität zugrunde, aus dem Mannigfaltigkeit und Totalität erwachsen.

Schema nach J. Pawlik
Schema zur „sinnlich-sittlichen Wirkung“
(nach R. Matthaei 1971)
Philipp Otto Runge 1777-1810

Zwischen Goethe und dem Maler Philipp Otto RUNGE, der sich zwischen 1801 u.1804 auch zu Studienzwecken in Dresden aufhielt, kam es 1806 zu einer Begegnung in Weimar und nachfolgend zu regem brieflichen Austausch, der von großer Übereinstimmung zeugt. Einen Brief Runges, in dem jener die Grundzüge seiner Farbauffassungen darlegt, lässt Goethe später in seiner Farbenlehre abdrucken. 1810 erscheint auch Runges ‚Farbenkugel’, eine Abhandlung mit der ersten räumlichen Ordnung systematischer Farbmischung, die sich an den Bedürfnissen der Malerei orientiert und die Erscheinungsweisen der Farben sowie die Phänomene der Pigmentmischung berücksichtigt.

Konstruktion, Ansichten und Schnitte der Farbenkugel von 1810

Runges ‚Farbenkugel‘ erschien 1810, vier Monate vor der Farbenlehre Goethes. Das Jahr, in dem die beiden kongenialsten Schriften der Farbenlehre erscheinen, überlebt Runge nicht. Sein sinnbildhaftes Werk aber, im Besonderen seine Farbenkugel – nicht nur als eine der ersten uns überkommenen Vorstellungen des räumlichen Zusammenhangs der Farben, sondern auch als Versinnbildlichung des „zyklischen Gedankens, …auf die Globusformel gebracht“ (Zitat: J. Traeger) – ist wie Goethes Farbenlehre in unser kollektives Gedächtnis eingegangen.

Eine Schlüsselrolle im Werk des Malers und Theoretikers Runge spielen die in engem Zusammenhang mit dem Entwurf der Farbenkugel stehenden Entwürfe und farbigen Ausführungen des Werkzyklus ‚Die Zeiten‘. 1809 beendet er seine Arbeit an der Farbenkugel , arbeitet zugleich aber auch an der 2. Fassung seines allegorischen Bildwerkes, der große ‚Morgen‘.

Der Morgen, 1809

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Verantwortung liegt bei dem Urheber des Beitrags: Eckard Bendin


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